Chapter Text
Grinsend stand er am Steuerrad. Seine Haare, die durch die vielen Dreadlocks verfilzt aussahen, wehten im Wind. Er trug den alten Dreispitz derzeit nicht, dieser war nach all den Jahren in Frieden auseinander gefallen. Einen neuen würde er im nächsten Hafen bekommen. Sein Bandana, das schon nicht mehr Rot zu nennen war und mehr Löcher und Flickstellen aufwies als heile Stellen, hielt seine Haare aus dem Gesicht. Seine Goldzähne blitzten im Sonnenlicht hell auf, als er lachte. Sein Rock flatterte im Fahrtwind und bauschte sich hinter ihm auf. Nie hätte er gedacht, dass er einmal wunschlos glücklich sein würde.
Nachdem er das erste Mal in Port Royal ankam, mit einem lecken Schiff, das gerade bis zum Hafen hielt und dann bis zur Mastspitze unterging, hätte er nicht gedacht, die Liebe seines Lebens zu treffen. Eigentlich wollte er nur ein Schiff kapern, eine Mannschaft anheuern und dann seine Black Pearl zurückerobern. Doch das Schicksal hatte andere Pläne mit ihm. Im Nachhinein sehr gute Pläne. Auch wenn der Weg bis hierhin sehr steinig war. Doch darüber wollte er jetzt nicht nachdenken. Es beinhaltete zu viel Schmerz und Angst. Kurz schüttelte er sich. Er konnte den abgrundtiefen Hass auf diesen Mann noch immer nicht abstreiten, auch wenn der Mensch schon seit annähernd zwei Jahren mit den Fischen schwamm.
“Worüber denkst du nach?” Starke Arme schlangen sich um seine Taille und ein kräftiger Körper schmiegte sich an seinen Rücken. “Darüber, wie wir uns kennengelernt haben, Liebling.” Er drehte seinen Kopf und sah in ein junges Gesicht mit schokoladenbraunen Augen. Seine braunen, schulterlangen Haare waren mit einem schmalen Bandana zurückgebunden. Sanft lächelte er und küsste den anderen sanft auf die Lippen. “Jack, auch wenn unser Kennenlernen sehr holprig und unter keinem guten Stern stand, bin ich doch froh, dass wir bis jetzt alles überstanden haben.” “Ja,” sagte er und lächelte ihn liebevoll an, “das Schicksal war uns holt. Mögen alle Götter über uns wachen.” Will lächelte sanft: “Eine Göttin ist auf unserer Seite und wacht über uns.” Dabei sah der junge Schmied auf die See und grinste breit. “Ja, das stimmt. Irgendwann musst du mir mal erzählen, wie du zu ihrem Liebling wurdest.” Will lachte und küsste ihn wieder. Dann ließ er ihn wieder los und trat neben ihn. Die Sonne schien auf sein schönes Gesicht und ließ die gezackte, tiefe Narbe, die von seinem rechten Auge bis zum Kinn lief, noch grausamer aussehen. Der Schmied hörte das Holz Knarren, Jack machte sich immer noch Vorwürfe darüber. “Liebster, es ist OK, er ist tot.” Jack schüttelte den Kopf: “Nein, ich hätte dich eher retten müssen. Wenn ich… .” Will stellte sich Jack gegenüber, sah ihn mit liebevollem Blick an: “Du hast mich doch gerettet, Liebster. Es ist alles gut.” Jack ließ das Steuerrad los und umfasste Wills Gesicht vorsichtig: “Wenn ich eher gewesen wäre, dann hättest du diese Narben nicht. Und Cuttler Beckett hätte….” Der Schmied legte seine Hände auf Jacks und küsste vorsichtig die Handinnenfläche. “Du hast mich gerettet, bevor er mir mehr als diese Narbe verpassen konnte. Ohne mein Auge könnte ich nicht mehr schmieden und nicht mehr mit dir segeln. Und jetzt reden wir nicht mehr über ihn, klar soweit?” “Hey, das ist mein Spruch!” beschwerte sich Jack belustigt. Sanft küsste er ihn: “Ich liebe dich, William Turner. Von ganzem Herzen.” “Ich liebe dich auch, Jack Sparrow. Von ganzem Herzen. Und deshalb wollte ich dich etwas fragen. Eigentlich beschäftigt mich das schon länger.” Jack sah ihn gespannt an. “Du hast mir doch mal von der Piratenehe erzählt. Wo die Männer ihren Frauen statt Ringen ein Tattoo stechen.” Jacks Mund wurde trocken, er glaubte zu wissen, worauf das hinaus lief.
“Willst du die Piratenehe mit mir eingehen, William Turner? Mit allen Rechten und Verpflichtungen?” Wills Augen strahlten hell und er nickte begeistert: “Ja, das will ich.” Jack jubelte laut. “Master Gibbs!” schrie er und rief damit seinen ersten Maat zu sich. “Captain, was kann ich für dich tun?” “Master Gibbs, Will und ich gehen die Piratenehe ein. Wir ändern den Kurs auf die Schiffbruchinsel.” Gibbs, der sich insgeheim schon auf die nächste Insel beziehungsweise die nächste Bar gefreut hatte, war kurz niedergeschlagen, bis er das Gesagte verarbeitet hatte. “Eine Piratenhochzeit, oh ja, da wird sich die Mannschaft freuen.” Singend ging er wieder und rief die Mannschaft zur Arbeit, verkündete den Kurswechsel und den Grund. Da gab es kein Halten mehr, alle jubelten.
“Wie läuft eine Piratenhochzeit genau ab?” fragte Will jetzt doch etwas nervös. Jack lachte: “Jetzt fragst du? Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Ein Pirat, ob Männlein oder Weiblein besonders in unserem Beruf, kann heiraten, wen er oder sie will. Ob nun eine ganz normale Ehe, wie die zivilisierte Welt es vorschreibt, oder einen des eigenen Geschlechts, es ist ganz egal. Wenn es jemand aus der Mannschaft ist, dann traut der Kapitän das Paar. In unserem Fall muss es jemand anderes sein. Ein höherrangiges Mitglied der Piratengilde. Und diese sind auf der Schiffbruchinsel. Dort sind auch alle bestehenden Ehen verzeichnet.” “Es gibt auch eine Regierung unter den Piraten?” “Nun, keine Regierung in diesem Sinne. Es sind die Wächter über den Piratenkodex, die das letzte Wort und das höchste Ansehen haben.” “Und diese Wächter sollen uns trauen?” “Ja, genau. Und danach wird gefeiert.” “Und die Trauung selber?” “Nun, das ist der unangenehme Teil. Ich werde dich in meinen Armen halten und derjenige, der uns traut, tätowiert dir sowohl mein Zeichen als auch meine Flagge in den Nacken. Je länger du durchhältst, desto höher ist dein Ansehen nachher.” Will nickte langsam: “Und je länger ich durchhalte, desto höher ist auch dein Ansehen später, oder?” Jack bestätigte nickend. Er schloss Will in die Arme und legte seinen Kopf in die Halsbeuge seines Liebsten. “Auf der einen Seite macht mir das ganze Angst, auf der anderen Seite bin ich aufgeregt. Klingt merkwürdig, nicht wahr?” Jack schüttelte den Kopf: “Nein, das ist ganz normal. Ich war schon bei einigen Hochzeiten dabei. Viele, die meinten, sie könnten viel aushalten und zuvor geprahlt hatten, begannen bei der Zeremonie an zu weinen wie Schlosshunde oder wurden ohnmächtig. In dem Fall konnte die Zeremonie nicht fortgesetzt werden und der Pirat hatte danach den Ruf der Heulsuse. Einfach nur, weil die Gatten zuvor zu sehr angegeben haben. Allerdings weiß ich, dass du ganz anders bist. Ich vertraue dir.” Will lächelte und nickte. Er würde versuchen, Jack nicht zu enttäuschen.
Es dauerte noch etwa zwei Wochen bis sie die Schiffbruchinsel erreichten. Der Name war Programm. Die ganze Insel bestand aus hunderten von Schiffswracks, die ineinander und übereinander gestapelt waren. Will war vor dem Staunen der Mund aufgeklappt. “Wow.” Das war das einzige, was er raus bekam. “Schön, nicht war? Hier bin ich aufgewachsen.” erzählte Jack aufgeregt, er ließ das Schiff anlegen und wies seine Leute an, alles für den Landgang bereit zu machen.
Kaum lag die Planke am Pier, da tauchten zwei Wachen auf und fragten nach ihrem Begehr. “Ich bin Captain Jack Sparrow und ich würde mich sehr freuen, meine Piratenhochzeit hier begehen zu dürfen.” erklärte er in seiner etwas besonderen Art. “Wessen Piratenhochzeit soll begangen werden?” Wurde er gefragt. "Meine eigene.” antwortete er. Die Wachen nickten sich zu und eine verschwand in das Innere der Schiffbruchinsel. Wenige Minuten später kam er wieder und nickte. “Willkommen auf der Schiffbruchinsel.” begrüßte sie die Wache.
