Work Text:
Adam schloss leise die Tür hinter sich. Er hörte schon die Musik aus der Küche; das hieß meistens, dass Leo dabei war, zu Kochen. Dann drehte er die Musik laut auf, vor allem, wenn er dachte, alleine zu Hause zu sein. Dennoch hatte Adam es schon oft gesehen, manchmal nur heimlich, weil er seinen Freund nicht stören wollte, manchmal offensichtlich, weil er ihm so nicht widerstehen konnte. (Wem machte er was vor, als ob er Leo jemals widerstehen konnte.)
Er hing die Jeansjacke an die Garderobe neben der Tür, streifte seine Turnschuhe ab, um sie fein säuberlich auf den extra dafür bereit liegenden Teppich abzustellen – etwas, das Leo ihm erst hatte beibringen müssen; normalerweise war Adam nicht so ordentlich. In seiner eigenen Wohnung damals war er immer mit seinen Straßenschuhen rumgelaufen, hier aber hatte Leo geäußert, dass er nicht so oft den Boden putzen wollte, wie dreckige Schuhe es verlangten. Also zog Adam jetzt immer brav seine Schuhe aus und stellte sie ordentlich ab, denn wenn Leo Hölzer eines nicht ausstehen konnte, dann nicht akkurat abgestellte Schuhe.
Eine Macke, für die er Leo nur noch mehr liebte.
Für das ganze Prozedere hatte er seine Einkäufe auf dem Boden abgestellt, daher griff er jetzt nochmal nach den Stofftaschen, da der Inhalt eh in den Kühlschrank gehörte. Adam achtete darauf, dass die Küchentür keinen Mucks von sich gab, als er lansgam die Klinke herunter drückte und diese öffnete. Sofort wurde die Musik noch ein wenig lauter und er erkannte sofort die Koch-Playlist, die Leo auf seinem Spotify-Konto angelegt hatte.
Leo stand wie erwartet am Herd und ließ die Hüften dem Takt entsprechend hin und herschwingen.
Unwillkürlich musste Adam lächeln. Er wusste, dass Leo kein begnadeter Tänzer war, wie er selbst auch nicht, aber das Taktgefühl war für ein bisschen hin und herwiegen absolut ausreichend. Zumal Leo ja nicht tanzte, sondern kochte. Daher schwang er auch den Kochlöffel zur Musik, bevor er ihn im Topf versenkte, um umzurühren.
Nur kurz sah Adam von seinem Platz an der Türschwelle zu, dann konnte er dem Hinterngewackel einfach nicht mehr widerstehen. Als er schließlich seine Hände auf Leos Hüfte legte, zuckte der nicht einmal mit der Wimper und Adam fragte sich, wie er seine Anwesenheit verraten hatte. Er war leise gewesen, hatte sich kaum bewegt, nicht einmal geatmet hatte er, obwohl das sowieso in der Musik untergegangen sein sollte. Die Musik war laut, aber es waren meistens Popsongs, die Leo einfach mochte, auch zum Runterkommen nach einem Fall. Tanzbar war auch alles, mehr oder weniger, Adam kannte die Playlist ja, auch wenn das nicht sein Musikgeschmack war. Aber er kannte Leo, also kannte und akzepierte er auch seine Musik. Meistens jedenfalls und so schlimm war es ja nicht.
Also schmiegte er bald seinen ganzen Körper an Leo, doch zu seinem nicht geringen Erstaunen, machte Leo einfach weiter. Er kochte nicht nur weiter, er bewegte auch weiterhin die Hüften, so dass Adam sich fast automatisch seinen Bewegungen anpasste. Sie hatten schon lange nicht mehr zusammen getanzt. Jetzt, da sie aus der Phase der ersten Verliebtheit und des ständigen Datings heraus waren, hatten sie andere Prioritäten gesetzt, als Tanzen und Feiern. Man konnte jetzt meinen, dass sie alt geworden waren, aber sie hatten einfach entdeckt, dass das ruhige Miteinander auch seine Reize hatte. Es war ja nicht so, dass sie jetzt nur noch ruhig auf dem Sofa saßen, aber meistens war es genau das. Oder sie trafen sich mit Freunden, aber eben nicht zum Tanzen.
Aber jetzt, jetzt tanzten sie.
Adam legte den kompletten Arm um Leo, um ihn festzuhalten, während er ein wenig in die Knie ging. Leo tat es ihm lachend gleich, achtete aber weiterhin darauf, dass das Kochen nicht zu kurz kam. Er kannte den Magen seines Freundes und der hatte schon vorhin im Auto geknurrt. Aber so eine kleine Tanzeinlage konnte Adam zuvor schon noch einschieben und Leos Essen war auch die beste Belohnung dafür, die er sich denken konnte. Und er merkte, dass Leo wirklich Spaß hatte.
Irgendwann legte er den Kochlöffel beiseite und drehte sich in Adams Armen um, der aber keineswegs damit aufhörte, die Hüften zu schwingen, nur dass jetzt ganz andere Körperteile eineinander rieben.
„Wenn wir so weitermachen, müssen wir unsern Tanz ins Schlafzimmer verlegen,“ hauchte Leo an Adams Lippen, bevor er ihn tief küsste.
„Nichts lieber als das,“ entgegente Adam danach außer Atem, was dazu führte, dass Leo ihn rigoros von sich schob.
„Nicht, solange das Essen auf dem Herd steht,“ erklärte er, was Adam ein Schmollen auf die Lippen brachte.
Er wusste selbst, dass er Hunger hatte, doch das konnte er irgnorieren, so wie früher auch, so wie sein Vater ihm das beigebrachte hatte. Aber er wusste, dass es Leo da anders ging und dass dieser strickt etwas dagegen hatte, wenn das Essen kalt würde, nur weil sie irgendwelchen körperlichen Gelüsten nachgingen.
Gut, wenn Leo das so wollte, dann tanzte er eben mit den Einkäufen zum Kühlschrank, um sie zu verstauen.
Der Tanz im Schlafzimmer fand später natürlich trotzdem statt.
Nach dem Essen.
