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Beute, menschlich

Summary:

An manche Orte sollte man besser nicht zurückkehren ... Diese Erfahrung müssen auch Murot und Wächter machen.

Zum Whumptober-Prompt für Tag 5: “My panic’s at the ceiling, but I’m face down on the carpet.”

Notes:

AN: Die Geschichte spielt zeitlich irgendwann zwischen »Im Schmerz geboren« und »Wer bin ich?« und es gibt einen Episodenbezug zu »Das Dorf« … *hust*
Mein Canon ist der »Tatort Wiesbaden« bis Folge 13, bis dahin gehört alles dem Hessischen Rundfunk. Mir gehört hier nur die Reihenfolge der Wörter. (Ja, das wird jetzt wohl mein neuer Standard-Disclaimer.) #headcanonstattcanon

Zum Whumptober-Prompt für Tag 5: “My panic’s at the ceiling, but I’m face down on the carpet.”

Chapter Text

Beute, menschlich

2014

 

Eigentlich hätte das alles ganz simpel laufen sollen. Eine Reihe von Vermisstenfällen, die nichts miteinander zu tun zu haben schienen und deren einzige Gemeinsamkeit es war, dass alle diese vermissten Personen kurz vor ihrem Verschwinden durch dieses kleine Kaff im Taunus gekommen waren. Da es von allen danach noch Lebenszeichen gegeben hatte (oder was man heutzutage als ‚Lebenszeichen‘ bezeichnete wie Mobilfunkbewegungsdaten und Social Media-Posts), hatte man dieser Tatsache zunächst nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gewidmet, bis man den Fall ans HLKA abgegeben hatte und Murot natürlich fast sofort vorgeschlagen hatte, sich dieses Kaff doch mal näher anzusehen. Magda vermutete, dass er einfach aus dienstlichen Gründen außer Haus sein wollte, wenn die interne Prüfung von der Personalabteilung stattfand, und da sie ebenso wenig Lust auf diesen „Warum haben Sie so viele Überstunden gemacht?“- Blödsinn hatte wie vermutlich er, schloss sie sich ihm ohne zu zögern an.

 

Inzwischen hätte sie sonst was darum gegeben, jetzt im Büro sein und bescheuerte Gespräche führen zu können.

 

An irgendeinem Punkt war so ziemlich alles schiefgegangen und Magda war sich nicht ganz sicher, was das überhaupt für ein Punkt gewesen war. Der, als ihnen beiden aufgefallen war, dass sie sich ganz in der Nähe von Dornstein befanden? Der, als sie beide im Gespräch bemerkten, dass die Leute hier irgendwie komisch waren, selbst für den hintersten Taunus? Oder doch der Moment, als sie auf den einen Zeugen warteten, der angeblich nur schnell den Herd ausmachen wollte, und man sie beide blitzschnell überwältigt und betäubt hatte? Vermutlich Letzteres. Ja.

 

Jetzt war sie gerade wieder zu sich gekommen. Wobei, nein. Das war nicht ganz richtig. Die Übelkeit, die Kopfschmerzen und ihre schmerzhaft verdrehten Handgelenke hatten sich verbündet und sich gegen die gnädige Ohnmacht durchgesetzt, die sie bis eben davor bewahrt hatte, von ihrer misslichen Lage irgendetwas mitzubekommen. Leider war es damit nun vorbei. Magda schluckte, hielt die Augen fest geschlossen, versuchte, sich etwas bequemer hinzulegen, um besser Luft zu bekommen und vor allem ihre armen Handgelenke zu entlasten.

 

Es ging nicht.

Sie konnte sich nicht bewegen.

Sie öffnete die Augen. Sah nichts. Blinzelte. Sah immer noch nichts. Und mit einem Mal war die Panik da.

 

Aber Panik war nicht gut, Panik ließ das Denken aussetzen und einen Fehler machen; hatte Martin ihr nicht mal erklärt, die erste Regel im Überlebenstraining sei, dass Panik töte?

 

Prioritäten setzen. Atmen. Nicht hyperventilieren. Nicht ersticken. „Murot?“, flüsterte sie. Gott, hoffentlich ist ihm nichts passiert. Sie konnte nicht erkennen, ob neben ihr noch jemand lag, zu langsam gewöhnten sich ihre Augen an das fehlende Licht, zu wenig konnte sie den Kopf drehen. „Murot!“ Sie versuchte, sich zu bewegen, was aber schwierig war angesichts ihrer Lage. Mehr als ein Hin-und-her-Schaukeln bekam sie nicht zustande. Sie spuckte staubige Teppichflusen aus.

 

„Wächter?“

Oh, Gott sei Dank. Magda mühte sich, ihre Gedanken zu sortieren und ruhig zu bleiben. Wenn Murot mit ihr hier war, war schon mal eine Sorge weg. Blieben nur noch gefühlt einhundert andere.

 

„Sind Sie verletzt?“, fragte er im Flüsterton.

Magda horchte in sich hinein. Wenn sie ehrlich war, tat ihr gerade wirklich alles weh; wie es sich anfühlte, hatte jemand sie mit Kabelbinder gefesselt, der ihr nun ins Fleisch schnitt; Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen … was noch alles? „Ich weiß es nicht“, antwortete sie ehrlich, fast erschrocken darüber, dass sie es nicht wusste.

„Okay“, gab er sanft zurück, wollte sie mit seinem Tonfall wohl beruhigen. „Okay …“

„Sie?“ Sie musste fragen.

„Glaub nicht.“ – Sie konnte nicht heraushören, ob er die Wahrheit sagte – „Was ist überhaupt passiert?“

Sie hörte leises Rascheln und Stöhnen links von sich, meinte, Bewegung wahrzunehmen. Ah, da ist er. „Keine Ahnung. In einem Moment haben wir noch auf diesen …“ Gnah, wie hieß der noch? Eine neue Welle der Übelkeit unterbrach ihre Gedanken und ließ sie mehrfach heftig schlucken. „Wir haben auf diesen Dings gewartet und dann weiß ich nichts mehr.“

„Mhm. Ja.“

 

„’ne Idee, wo wir hier sind?“ Sie ahnte, dass seine Antwort ‚nein‘ lauten würde, aber einen Versuch war es ja trotzdem wert.

„Nein“, kam es erwartungsgemäß zurück und dann fügte er auf einmal beunruhigt hinzu: „Aber wir waren in der Nähe von Dornstein …“ Er ließ den Satz unheilvoll ausklingen, als ahnte er nichts Gutes, und endlich machte es auch bei Magda ‚klick‘.

 

„Oh, nee, ich will meine Nieren behalten!“, entfuhr es ihr, vor Schreck vergaß sie ganz, zu flüstern.

„Keine Panik, wir kommen hier wieder raus, Wächter“, wisperte er ihr eindringlich zu, „ich verspreche es Ihnen. Ich hol uns hier raus.“

„Das werden wir noch sehen“, kommentierte eine Stimme leicht amüsiert aus dem Dunkel.

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