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Jeden Monat, jede Woche... jeden Tag?

Summary:

Hannes steht immer wieder vor dem Kit Kat Club, bis er sich einies Tages traut, zum ersten Mal hinein zu gehen, um die Welt draußen zu vergessen. Drinnen trifft er den Conférencier, der aus Gründen, die sich ihm nicht erschließen, an ihm interessiert ist.

Notes:

Erstmal vielen Dank an Liz, dass Du die Story immer wieder gelesen hast, mir Feedback und Ideen gegeben hast, bis dieses Monstrum fertig war und an die restlichen Crabbies, die mich motiviert haben, weil sie die Story lesen wollten.

Ja, sowohl Cabaret, als auch Kleiner Mann - Was nun? laufen aktuell am Düsseldorfer Schauspielhaus, beides spielt ziemlich genau zur selben Zeit in Berlin, da liegt es doch nur nahe, hier ein Crossover zu schreiben. Der Conférencier heißt hier auch wieder Alexis, danke Susanne für den Namen, denn einen Namen verdient er schon.
Das war alles nie so riesig geplant, ich habe mit vielleicht fünf Kapiteln gerechnet, aber nach und nach kamen mir immer mehr Ideen und das hier ist einfach viel länger geworden, als ich erwartet habe.

Ich bin nicht ganz sicher, was die Tags angeht, falls also jemandem etwas auffällt, das fehlt, bitte Bescheid sagen.

Chapter Text

Hannes lief wie so oft an dem Club vorbei, es war der selbe, in dem sie damals, vor über einem Jahr auch mit Jachmann gewesen waren, der Kit Kat Club. Hannes hatte es nicht zugegeben, aber er hatte oft an den Club gedacht. Er würde gerne rein gehen, nur für eine Weile an etwas anderes denken, aber sie brauchten das Geld. Und Lämmchen wartete auf ihn. Für eine Weile blieb er stehen, sah über die Straße zum Eingang des Clubs, wie so oft, wenn er hier war, nachdem er die Krisenunterstützung abgeholt hatte.

Seine Finger umschlossen die 16 Mark in seiner Tasche. Er könnte ja nur mal gucken, nur kurz hinein gehen und ein bisschen gucken. Mit unsicheren Schritten ging er auf die Tür zu, auf halben Weg wurde ihm bewusst, wie er eigentlich aussah. Beim Friseur war er seit Monaten nicht gewesen, Lämmchen hatte seine Haare geschnitten, leider wusste sie nicht wirklich was sie tat und das sah man auch. Sein Mantel war alt und abgewetzt, seine restliche Kleidung ebenfalls.

Würde man ihn so überhaupt reinlassen? Hannes war kurz davor, umzudrehen, aber schließlich ging er nach einigem Zögern doch auf die Tür zu. Niemand schenkte ihm Beachtung. Drinnen wurde er von lauter Musik, warmer Luft und dem Geruch nach Zigaretten begrüßt. Eine Zigarette hatte er auch schon länger nicht mehr geraucht. Er fand einen freien Tisch am Rand, man konnte zwar von dort aus nicht viel sehen, aber er wollte nicht zu sehr im Getümmel sitzen. Und vor allem wollte er selber nicht gesehen werden.

Er bestellte den günstigsten Drink den er finden konnte und beobachtete die Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne. Zwischen den Stücken wurde das Publikum durch den Conférencier angesprochen. Hannes konnte seine Augen nicht von ihm abwenden, wann immer er auf der Bühne stand. Vor allem, wenn er ebenfalls tanzte und sang. Er sprach mit einem englischen Akzent. Britisch? Hannes war sich nicht sicher. Der Akzent war nicht besonders stark. Hannes fragte sich, ob er echt war oder aufgesetzt.

Lange blieb er nicht, nur eine Stunde, Lämmchen wartete auf ihn und er konnte sich schon das eine Getränk nicht leisten, das er bestellt hatte. Lämmchen fragte ihn nicht wo er gewesen war, sie sagte nichts dazu, einen Moment sah sie ihn an, lächelte dann und küsste ihn. Sie sagte auch nichts dazu, dass er weniger Geld mit nach Hause brachte, als sie erwartet hatte. Hannes wusste nicht was er ihr erzählen sollte, sie wollten immer ehrlich zueinander sein, aber irgendwie fiel es ihm diesmal schwer.



Eine Woche später stand er wieder vor dem Kit Kat Club, seine Finger spielten mit dem Geld in seiner Tasche. Sollte er hinein gehen? Der Conférencier war ihm nicht aus dem Kopf gegangen. Seine Art sich zu bewegen, zu singen und tanzen. Sein Grinsen hatte irgendwie falsch gewirkt, kalt, aber Hannes hatte sich gefragt, was dahinter gesteckt hatte. Er schüttelte den Kopf und drehte sich um. Er konnte nicht schon wieder Geld ausgeben, das sie für Essen und vor allem für den Murkel brauchten. Und wenn dann verdiente Lämmchen auch, etwas davon zu haben. Er seufzte noch einmal, dann drehte er sich um und lief langsam die Straße entlang, zurück zum Bahnhof, zurück zu seiner kleinen Familie. Die blauen Augen hinter einem Fenster, im oberen Stockwerk, die ihn beobachteten, bemerkte er nicht.



Einen Monat, nachdem er doch im Kit Kat Club gewesen war, gab er nach und trat erneut durch die Tür, wieder rechnete er damit, dass er rausgeworfen werden würde, aber wieder wurde ihm kaum Beachtung geschenkt. Er bestellte ein Getränk und saß alleine an einem Tisch am Rand. Nur für eine kleine Weile allem entkommen, nicht zu viel denken, zugucken und so tun, als würde da draußen nichts passieren. Es tat ihm gut, zumindest für eine Weile abgelenkt zu sein. Lämmchen fragte wieder nicht, aber er musste es ihr erzählen.

„Ich war in dem Kabarett, in dem wir mit Jachmann waren, damals“, sagte er. Sie nickte.

„Sowas dachte ich mir schon“, antwortete sie. Sie zählte kurz das Geld, dass er ihr gegeben hatte und verstaute es dann in ihrem Topf, den sie noch immer für ihr Geld benutzten. Sagte nichts zu dem fehlenden Geld. „Tut es dir gut?“ fragte sie dann und griff nach seinen Händen. Er nickte leicht und Lämmchen streckte sich etwas, um ihm einen sanften Kuss zu geben. „Gut“, sagte sie. Nichts weiter. Hannes zog sie in seine Arme und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.





Und er ging wieder, nicht oft, sicher nicht jedes Mal, wenn er daran vorbei lief, aber einmal im Monat ging er hinein, trank ein Getränk, blieb für eine Stunde, bevor er nach Hause fuhr, wo Lämmchen auf ihn wartete und ihn mit einem sanften Lächeln und einem Kuss empfing.





Alexis stand am Fenster seiner Garderobe und sah nach draußen, gegenüber vom Club stand er wieder, er wusste nicht, wie der Mann hieß, wusste nichts über ihn, aber jede Woche würde er vor dem Club stehen und zur Tür hinübersehen und einmal im Monat, wie ein Uhrwerk sah er ihn an einem der Tische sitzen, ein Getränk vor sich, er redete mit niemandem, außer um sein Getränk zu bestellen und er blieb nie lange. Er sah immer müde aus, seine Kleidung war abgetragen, seine Haare ungleich geschnitten, aber sein Gesicht war sehr hübsch, aber das war nicht das einzige, das Alexis an dem jungen Mann faszinierte, er konnte nicht sagen was es war, vielleicht die Tatsache, dass er mit einer unglaublichen Regelmäßigkeit im Club anzutreffen war. Vielleicht das er noch nie versucht hatte mit einem der Mädchen oder Jungen ins Gespräch zu kommen, zumal er nicht aussah, als ob er sich das leisten konnte. Vielleicht war es auch die Tatsache, wie er Alexis immer ansah. Sicher hatte er nicht bemerkt, dass Alexis seine Blicke bemerkt hatte. Es war einer der Tage, an denen der Mann den Club betreten würde, das wusste Alexis inzwischen. Und als hätte er Alexis Gedanken gehört, setzte er sich in Bewegung und lief auf die Tür zu. Wie immer sah er unsicher aus, als würde er Angst haben, dass man ihn nicht hineinließe.

Alexis drehte sich vom Fenster weg, es war Zeit für seinen Auftritt. Noch einmal sah er in den Spiegel, richtete das Lederhalsband, machte einen kleinen Knicks und lief dann nach unten, hinter die Bühne. Diesmal würde er ihn ansprechen.